Camino del Norte – Irun, Hondarribia, San Sebastian – Teil 1

Auf dem Camino del Norte nach Santiago de Compostela

Viele Wege führen nach Santiago de Compostela

Vielleicht verfolgt Ihr meinen Blog schon eine Weile. Dann wisst Ihr, dass ich mit 3 weiteren Freunden bereits die komplette Schweiz auf dem Jakobsweg  durchwandert bin. Insgesamt waren das knapp 450 Kilometer. Wer die Berichte über den Schweizer Jakobsweg gerne nachlesen möchte, der kann dies HIER tun.

Eigentlich sollte es nun im kommenden Jahr in Frankreich weiter gehen. Aber irgendwie zog es mich so gar nicht nach Frankreich und es kam anders als erwartet.

Bereits 4 Monate nach der Wanderung in der Schweiz, ging es überraschender Weise weiter. Unverhofft kommt oft!

Ich hatte eine Woche Urlaub im Oktober und konnte mir schwer vorstellen, in irgendeinem Hotel auf irgendeiner Insel zu liegen und mir alleine die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Plötzlich war die Idee geboren, mit dem Spanischen Jakobsweg, dem Camino del Norte zu beginnen. Der Camino del Norte, auch Küstenweg genannt, verläuft größtenteils an der spanischen Atlantikküste entlang und die Aussicht, beim Wandern das Meer vor Augen zu haben, erschien mir sehr verlockend. Vor Jahren hatte ich bereits über den Camino del Norte einen Vortrag gehört und von da an stand für mich fest, sollte ich jemals den Jakobsweg in Spanien wandern, dann musste es der Camino del Norte sein.

Was manche Menschen vielleicht gar nicht wissen, es gibt viele Wege nach Santiago de Compostela. Aus allen Richtungen in Spanien und sogar über Portugal, gelangt man direkt nach Santiago de Compostela. In meinem heutigen Teil 1 über den Camino del Norte möchte ich Dir alles für mich Wichtige und Wissenswerte, aber auch einfach meine Erlebnisse über meine Pilgerwanderung von Irun nach San Sebastian erzählen.

Wo startet man den Camino del Norte am besten?

Ich wollte den Camino del Norte gerne ganz am Anfang von Spanien starten. Manche starten ja erst mitten drin und andere auch erst ab Bilbao.
Der Grund, erst in Bilbao zu starten liegt oft darin, dass man sich viele Höhenmeter auf dem Camino del Norte sparen kann. Für ungeübte Pilger und solche, die das Bergwandern so gar nicht gewöhnt sind, kommen oft Zweifel vor dem Start auf und viele trauen sich dieses erste, anspruchsvolle und schwierige Stück zwischen Irun und Bilbao nicht zu. Allerdings hört man auch, dass gerade dieses erste Teilstück eines der Schönsten auf dem Camino del Norte sein soll.

Meine Entscheidung stand also fest, ich wollte den Camino del Norte in Irun, direkt hinter der französischen Grenze starten.

Wie kommt man am besten auf den Camino del Norte?

Von München aus ist der beste Flughaften Bilbao. Bilbao liegt etwas weiter als San Sebastian, wo es auch einen Flughafen gib, von Irun, dem Startpunkt entfernt. Allerdings habe ich nach San Sebastian nur sehr schlechte Verbindungen, oft mit Umsteigen, gefunden. Mit Lufthansa hatte ich einen Direktflug welcher mich in knapp 2 Stunden von München nach Bilbao brachte.

Für den Rucksack habe ich mir zuvor eine Schutzhülle gekauft, damit er den Flug gut übersteht. Meine hatte 80 l Fassungsvermögen. Auch wenn der Rucksack deutlich kleiner war, so konnte man den Rucksack wirklich gut darin verstauen. Während der Wanderung hatte ich die Schutzhülle dann immer ganz unten im Rucksack, da ich sie kaum benötigte. Sie eignet sich aber auch hervorragend dafür, wenn man mal eine Sitzunterlage während der Wanderung benötigt.
Die Schutzhülle, wie auch viele andere Ausrüstungsgegenstände habe ich mir bei Sportscheck bestellt.

 

 

Perfekt durchorganisiert wie ich bin, hatte ich bereits im Vorfeld die Weiterreise vom Flughafen aus recherchiert. Dort fährt jede Stunde der Lurraldebus DO50B Richtung Donostia-San Sebastian. Die Fahrt dauert in einem vollklimatisierten Bus etwas mehr als eine Stunde. Das Ticket für die Fahrt löst man zuvor am Flughafen am Automaten. Der Bus hält zwischendurch nur einmal, bevor er Donostia- Sebastian erreicht.

In Donostia-San Sebastian fährt dann der Euskotren, das ist ein Zug, in knapp einer halben Stunde weiter nach Irun. Auch dieses Ticket hatte ich mir vor Abfahrt am Automaten gezogen.

Der Ticketkauf ist nicht ganz einfach, da alles auf Spanisch geschrieben steht, aber intuitiv habe ich einfach das gemacht, was ich an deutschen Ticketautomaten mache und habe jedes Mal doch relativ unkompliziert mein Ticket bekommen. Man kann hier übrigens auch mit EC-Karte zahlen.

Der Pilgerausweis, ein wichtiger Begleiter auf dem Camino del Norte

Um in Santiago de Compostela die Pilgerurkunde zu erhalten, muss man vorweisen, die letzten 100 km zu Fuß gegangen zu sein. Als Nachweis dient der Pilgerausweis, in dem man bei Übernachtungen einen Stempel bekommt. Die Stempel sind auch eine schöne Erinnerung.

Ich habe meinen Pilgerausweis für den Camino del Norte bei der Deutschen Jakobusgesellschaft bestellt. Bei der Bestellung gibt man an, wann und wo man startet und das wird dann auch gleich von denen im Ausweis eingetragen. Man gibt auch eine Notfalladresse an, was ich gar nicht so schlecht finde.

Tag 1 – Irun – Hondarribia
6 km – 1,5 Stunden

Mein Flug landete bereits um 10 Uhr morgens in Bilbao. Nach der Weiterreise mit dem Bus und Zug, erreichte ich schon am frühen Nachmittag in Irun. Somit startete ich bereits an diesem Tag mit der ersten, kurzen Etappe von Irun nach Hondarribia.

Die komfortablen Wegweiser, die ich aus der Schweiz für die Beschilderung des Jakobsweges gewohnt war, fand ich in Spanien oft nicht vor. Stattdessen zierten größtenteils gemalte, gebe Pfeile den Weg.
Nachdem alles noch ganz neu war und ich mich erst wieder auf dem Jakobsweg zurecht finden musste, traute ich den gelben Pfeilen, die den Weg wiesen nicht immer und ließ mich verwirren. Somit machte ich auch ein paar kleine Umwege und kam etwas verspätet in Hondarribia an. Hier kann ich echt nur jedem den Tipp geben, vertraut den Pfeilen. Sie kommen immer wieder und zeigen den richtigen Weg.

 

Man sagt über die mittelalterliche Kleinstadt Hondarribia, dass es sich um eine der schönsten Ortschaften Spaniens handelt. Eigentlich führt der Camino del Norte nicht durch die Stadt. Der Abstecher wird aber im Outdoor Wanderführer empfohlen und ich habe auf meiner Wanderung festgestellt, dass man nicht verkehrt liegt, wenn man den Empfehlungen des Wanderführers folgt. Somit entschloss ich mich für einen Abstecher und Übernachtung in Hondarribia, auch wenn man dafür einen Umweg von 2 km in Kauf nehmen musste. Ich habe es nicht bereut.

Der Abend in Hondarribia war traumhaft schön. Es war ja auch der erste Tag, an dem ich das Meer sehen konnte. Aber auch die Altstadt mit ihrer Stadtmauer und die vielen, entzückenden, bunten Häuser machten Hondarribia absolut besonders.

Übernachtet habe ich in einer Privatunterkunft, welche ich im Vorfeld über Airbnb gebucht hatte. Das Zimmer war sauber und das Haus der Vermieterin wirklich wunderhübsch. Sie war auch sehr freundlich und ich habe mich absolut wohl gefühlt. Ein Hotel wäre in Hondarribia viel zu teuer gekommen und eine Herberge hatte im Oktober nicht geöffnet. Vermutlich ist das Städtchen doch sehr begehrt, was man an den Hotelpreisen merkt. Die Unterkunft war auch nur eine Querstraße von der Fußgängerzone entfern und man konnte alles wunderbar zu Fuß erreichen. Ich verbrachte einen traumhaft schönen ersten Abend in Hondarribia.

 

Etwas, woran ich mich bereits am ersten Abend in Spanien gewöhnen musste, war die Tatsache, dass die Spanier nicht vor 20 Uhr oder 20:30 Uhr zu Abend essen. Für einen Pilger, der nach einem langen Tag bald ins Bett fallen möchte, aber zuvor richtig Hunger hat, nicht optimal. Bevor in Spanien Abendessen serviert wird, gibt es in den unzähligen Bars absolut appetitlich gestaltete Bocadillos (belegte Brötchen). Die sind echt richtig lecker, aber wenn man Hunger auf was Warmes hat, eher ungeeignet.

 

Tag 2 – Hondarribia – Pasaia – San Sebastian
23 km – 8 Stunden – 900 HM

Eigentlich hatte ich den Tagesbeginn anders geplant. Der Plan war, in der am Vorabend ausgesuchten Bäckerei zu frühstücken, beim Metzger noch etwas Wurst und Käse zu kaufen und dann los zu marschieren.

Tatsache war aber, dass ich vor Aufregung bereits vor 6 Uhr nicht mehr schlafen konnte und nach einigem hin und her überlegen beschloss, meine Pläne über den Haufen zu werfen und einfach loswanderte. Ich hatte ja noch ein paar Energieriegel im Gepäck und mal sehen, wie weit ich damit kam. In tiefster Dunkelheit wanderte ich um 6:15 Uhr los und war verwundert, dass in Spanien die Sonne im Oktober erst um 7:45 Uhr aufging. Glücklicher Weise hatte ich die in meinem Smartphone integrierte Taschenlampe dabei. Denn in manchen Waldstücken auf dem Camino del Norte war es so stockfinster, dass ich keinen Schritt ohne Taschenlampe hätte gehen können.

Als die Sonne dann gerade aufging, hatte ich das erste Teilstück bereits hinter mir. Es bot sich ein wunderbarer Blick auf die Stadt unter mir. Ich war stolz, schon so viele Höhenmeter auf dem Camino del Norte hinter mich gebracht zu haben. Nun war ich mir sicher, dass es die einzig richtige Entscheidung war, so früh los zu gehen. Erstaunlicher Weise hatte ich die ersten 4 Stunden gar keinen Hunger und schaffte es richtig gut, Kilometer für Kilometer hinter mir zu lassen.

 

Beim Besteigen des Berges Jaizkibel verließ ich mich wieder auf den Outdoor Wanderführer, der empfahl, unbedingt die Variante über den Berg auf dem Camino del Norte zu nehmen. Es war ein grandioses Gefühl, auf dem Gipfel angekommen zu sein und den Ausblick zu genießen.

 

Pasaia war eine weiter schöne, kleine Stadt auf dem Camino del Norte. Hier überquerte man mit einer Fähre, die praktisch fast immer fährt, die 100 m über den Fluss. Bei dem Preis von 0,70 € kann man sich fast überlegen, mehrmals hin und her zu fahren. Hab ich natürlich nicht gemacht.

 

Nach der Überquerung ging es noch ein Stück am Wasser entlang, bevor man unzählige Stufen direkt am Meer hinauf stieg. Zwischendurch musste ich immer wieder stehenbleiben, um den genialen Blick auf das Meer zu genießen. Für den Rest des Weges bis San Sebastian gab der Outdoor Wanderführer wieder Empfehlungen für Varianten des Camino del Norte. Ich wählte ausschließlich alle Routen, die nahe am Meer entlang führten, aber auch etwas mehr Zeit in Anspruch nahmen.

 

Deutlich später als erwartet, kam ich dann in San Sebastian an. Der breite Sandstrand, an dem sich unzählige Menschen noch im Oktober tummelten, fiel mir schon ins Auge, bevor ich San Sebastian erreichte.

Ich übernachtete im Hostel A room in the city und nicht wie im Reiseführer empfohlenen Hostel, 3 km weiter. Abends wollte ich nämlich noch was von San Sebastian sehen und das Hostel lag sehr nah an der Altstadt und am Strand. Damit hatte ich genau die richtige Wahl getroffen. Und vom Camino del Norte ist die Unterkunft auch nicht weit entfernt.

Der Abend in San Sebastian war traumhaft schön. Die Altstadt ist sehr sehenswert und wie auch schon in Hondarribia merkte ich, dass die Leute in Spanien LEBTEN. Sie verbrachten die lauen Sommernächte draußen und trafen sich mit ihren Freunden in den Bars.

 

Was es sonst noch zu sagen gibt

Wie ich ja schon mehrfach erwähnte, begleitete mich der Outdoor Reiseführer auf dem Camino del Norte. In der Schweiz war ich noch gegen die Nutzung eines Reiseführers. Aber in Spanien hielt ich ihn aufgrund der vielen wertvollen Tipps, genialen Routenvarianten und Unterkunftsinformationen als sehr hilfreich.

Zum Thema Stempel für den Pilgerausweis habe ich auch noch etwas zu sagen. In der Schweiz habe ich mir ja in nahezu jeder Kirche oder Kapelle einen Stempel für meinen Pilgerausweis geholt. In Spanien wollte ich es aufgrund der hohen Gesamtkilometer anders handhaben. Mein Plan war, pro Tag einen Stempel in der Stadt zu holen, in der ich übernachte. Das gestaltete sich deutlich schwieriger als erwartet. Im Gegensatz zur Schweiz waren nämlich nahezu alle Kirchen verschlossen, an denen ich vorbei kam. Nicht in jeder Unterkunft gab es einen typischen Pilgerstempel. Dennoch habe ich es trotzdem irgendwie geschafft, noch vor Schließung der Touristeninformation einen Stempel zu holen oder hatte doch mal Glück, dass eine Kathedrale in einer größeren Stadt offen hatte. Aber leicht war die Stempelsuche nicht. 

Und was ich noch erkannt habe ist, dass es wichtig ist, Qualität an Ausrüstung/Kleidung zu kaufen. Wie oft habe ich schon etwas Günstiges irgendwo gekauft, war nicht zufrieden und habe dann doch wieder ein Qualitätsprodukt gekauft. Somit hätte ich mir den ersten Fehlkauf sparen können. Mein Lieblingsshop in Sachen Outdoor ist für mich auf jeden Fall Sportscheck. Im Sale gibt es oft Hammerpreise.

 

 

Nachdem ich heute sehr ausführlich in meinem ersten Bericht über den Camino del Norte geschrieben habe, habe ich mich in meinem Beitrag auf die ersten beiden Wandertage beschränkt. Der nächste Bericht über die nächsten Etappen folt in Kürze.

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Hier geht’s weiter zur nächsten Etappe von San Sebastian nach Deba.

Alle anderen Berichte über den Jakobsweg findest Du HIER.

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Der Outdoorwanderführer hat mich auf dem Camino del Norte begleitet und hat mich wirklich begeistert.

 

1 Gedanke zu „Camino del Norte – Irun, Hondarribia, San Sebastian – Teil 1

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