Pilgern auf dem Schweizer Jakobsweg von Interlaken nach Fribourg

Die Etappe auf dem Schweizer Jakobsweg von Interlaken nach Fribourg in 79,5 Kilometern und 22 Stunden

In diesem Beitrag erzähle ich Dir von meiner Wanderung auf dem Schweizer Jakobsweg über die Etappe zwischen Interlaken und Fribourg. Diese Etappe sind wir in drei Tagen gelaufen. Im Nachhinein betrachtet waren die Etappen schon knackig. Da sie aber zu Beginn unserer zweiwöchigen Reise stattfanden, war der Umfang der Kilometer machbar.

Die Anreise

Von Deutschland aus buchten wir ein Zugticket für 39,00 € mit der Deutschen Bahn. Da wir ein paar Monate im Voraus buchten, kamen wir in den Genuss des Super-Spartickets. Die Rückreise von Genf nach Hause bekamen wir zum gleichen Preis.

Die Katastrophe mit der Bänderdehnung vor der Abreise

Zwei Tage vor der Abreise bekam ich plötzlich Schmerzen im linken Fuß. Ein Band schien gedehnt zu sein und verursachte ziemliche Schmerzen, weshalb ich mich noch am Tag vor der Abfahrt in die Notaufnahme des Krankenhauses begab. Geholfen hat mir unter anderen ein Voltarenverband mit Frischhaltefolie. Der Fuß wird dick mit Voltarensalbe eingecremt und dann mit Frischhaltefolie umwickelt. Dann noch einen Socken drüber und der Verband hält wunderbar die ganze Nacht. Die Salbe kann somit gut einziehen und ist sogar am Morgen noch sichtbar.

Zusätzlich habe ich mir ein kinesiologisches Tape gekauft und mir mit einem YouTubeVideo die richtige Anwendung bei einer Bänderdehnung erklären lassen. Mit dem Tape am Tag und den Voltarenverbänden in der Nacht habe ich die ersten Tage auf meinem Weg von Interlaken nach Fribourg super überstanden. Meinen ausführlichen Beitrag über das Tape kannst Du HIER lesen.

Der erste Tag

Den ersten Tag nutzten wir für die Anreise. Wir wohnen in Südostbayern und hatten somit 9 Stunden Anreise. Die erste Nacht schliefen wir wie schon beim Ende unserer letzten Etappe im Hostel Alplodge. Wir buchten dort die einzig beiden Low-Budget-Doppelzimmer für 55 CHF pro Person, da wir ungern in Mehrbettzimmern schlafen wollten. Dabei sei bemerkt, dass wir nicht mehr die Jüngsten sind. Ich als Jüngste der vier Pilger bin immerhin schon 44 Jahre alt. Ich habe, wie auch schon bei unseren anderen Wanderungen auf dem Jakobsweg die Unterkünfte vorgebucht. Das hat zum einen den Grund, dass die Schweiz so teuer ist, dass ich versucht habe, bei der Planung bereits die günstigsten Unterkünfte heraus zu finden. Zum anderen ist es schwieriger, zwei Doppelzimmer zu finden, als eine Übernachtung für nur eine Person.

Am Spätnachmittag kamen wir in Interlaken an und nutzten den verbleibenden Tag mit einem Spaziergang durch diese wirklich wunderschöne und einzigartige Stadt und einem gemütlichen Abendessen.

Der zweite Tag – Interlaken – Amsoldingen – 27,5 km in 8 Stunden

Der zweite Tag unserer diesjährigen Reise war eigentlich der erste Tag, nämlich der erste Wandertag.

Nach einem kurzen Frühstück ging es schon los zu unserer ersten Etappe. Wir brachen früh auf, da wir einen langen Tag vor uns hatten. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten fanden wir schnell den richtigen Weg. Dabei sei bemerkt, dass der Jakobsweg in der Schweiz perfekt ausgeschildert ist. Meiner Ansicht nach benötigt man keine Wanderkarte. Nahezu jede Abbiegung ist beschildert und sehr oft gibt es sogar „Geradeaus-Schilder“.

Der besondere Höhepunkt dieses Tages war der Thunersee mit seinem tiefblauen Wasser, an dem wir einige Kilometer zurücklegten. Diese Schönheit und die Tatsache, nach monatelanger Vorfreude endlich wieder auf dem Jakobsweg zu sein, machte mich einfach nur glücklich.

Wir stiegen hinauf zu den Beatushöhlen, einem Verbund von Tropfsteinhöhlen. Der Heilige St. Beatus hat dort gelebt und deshalb gilt dieser Ort als ein für Pilger wichtiger Punkt auf dem Schweizer Jakobsweg zwischen Interlaken und Fribourg. Wir machten kurz Rast, genossen die Aussicht und wanderten dann weiter. Wir hatten noch den Thunersee mit dem Schiff zu überqueren, weshalb wir zügig weiter wollten.

Es gibt ab Merligen zwei Varianten des Schweizer Jakobsweges. Wir entschieden uns für die Originalroute mit dem Schiff nach Spiez und von dort zu Fuß weiter nach Amsoldingen. Das Schiff fährt etwa alle Stunde. Die genauen Pläne kann man hier einsehen. Die Fahrt von Merligen nach Spiez dauert 27 Minuten und kostet 13 CHF.

Die erste Nacht verbrachten wir in einer B&B Ferienwohnung mit zwei Doppelzimmern in Amsoldingen. Die Nacht kostete pro Person 45 CHF incl. Frühstück. Es gab eine Waschmaschine und obwohl wir nicht vorhatten, schon am ersten Tag zu waschen, nahmen wir diese Gelegenheit dankbar an. Was erledigt war, war erledigt! Knapp 1 km von der Wohnung entfernt gab es ein Restaurant in dem wir leckere Schweizer Rösti aßen. Auch wenn wir an diesem Tag schon sehr erledigt waren, lohnte es sich, dass wir nochmal den kurzen Fußweg auf uns nahmen. Glaub mir, nach einer 8-Stündigen Wanderung sind weitere 15 Minuten fast eine Qual! Aber wir hatten Hunger!

Der dritte Tag – Amsoldingen – Schwarzenburg – 31 km in 8 Stunden

Ehrlich gesagt konnte ich mir nach dem ersten Tag gar nicht vorstellen, dass es am nächsten Tag schon wieder weiter gehen sollte. Und dann noch 31 km mit knapp 650 Höhenmetern, unvorstellbar! Jedoch regenerierte der Körper unglaublich schnell und tatsächlich schafften wir auch den zweiten Tag. Die Landschaft war wie auch schon am ersten Tag unglaublich schön, auch wenn die Steigungen in brütender Hitze uns des Öfteren schwer zu schaffen machten. Der Ausblick war allerdings unbezahlbar. Ein besonderes Highlight an diesem Tag war die Klosterruine in Rüeggisberg. 

Mit vielen Pausen, kühlen der Füße in einem Bach und zwischendurch mal ein alkoholfreies Bier in einer Gaststätte, schafften wir den zweiten Tag relativ gut und waren wirklich stolz, als wir am Abend den Bahnhof in Schwarzenburg erreichten. Wir wurden dort von unserem nächsten Herbergsvater von „Ferien bei Binggelis“ abgeholt.

Zu unserem Entsetzen haben in der Schweiz scheinbar unzählige Gaststätten sonntags geschlossen. „Sonntags ist immer schlecht“, wurde uns in schönstem Schweizer Akzent erklärt. Glücklicher Weise bot die Familie Binggeli aber an, uns später noch zu einer Pizzeria zu fahren. Allerdings fanden wir dann noch eine bessere Möglichkeit. Frau Binggeli hatte tatsächlich genug Lebensmittel zu Hause, dass sie uns ein wunderbares Abendessen mit Wurst, Käse, Salat, Bier und Wein anbieten konnte. Wir hätten für dieses grandiose Abendessen liebend gern jeden Preis der Welt bezahlt und waren mehr als überrascht, dass sie für das Abendessen ohne Getränke nur 5 CHF pro Person in Rechnung stellte. Auch die Getränkepreise waren absolut human. Für 50 CHF für Übernachtung mit Frühstück hatten wir die perfekte Unterkunft gewählt.

Der vierte Tag – Schwarzenburg – Freiburg (Fribourg) 21 km – 6 Stunden

Nachdem wir an den letzten beiden Tagen ja relativ viele Kilometer zurück zu legen hatten, waren wir uns sicher, dass uns die heutige Etappe nicht umbringen würde. 21 km – lächerlich! Dachten wir! Aber 6 Stunden Fußmarsch ist nicht zu unterschätzen, egal wie viele Kilometer es sind. Auf Anraten von Frau Binggeli wählten wir heute das letzte Stück nicht auf dem Jakobsweg, da dieses Stück scheinbar sehr langweilig wäre. Die Schlucht wäre viel sehenswerter und schöner. Außerdem wäre dort Wald und wir waren um jedes Stück Schatten dankbar, das wir bei der unerträglichen Hitze im Juni hatten. Und was soll ich sagen? Die Schlucht war ok. Mehr aber auch nicht. Man stelle sich einen Waldspaziergang an einem Bach vor. Der Weg war aber fast immer so weit vom Bach entfernt, dass wir keine Möglichkeit hatten, hinab zu steigen, um unsere schmerzenden Füße zu kühlen. Außerdem ging es auf und ab, was eine ziemliche Strapaze bedeutete. Ich empfehle Dir deshalb, auf der Originalroute zu bleiben.

Als wir dann am Spätnachmittag Fribourg vor uns sahen, waren wir wirklich glücklich. Die ersten Eindrücke von Fribourg bekamen wir, als wir über die Bernbrücke gingen. Die uralte Holzbrücke ist nur eine der vielen Brücken, die es in Fribourg zu sehen gibt. Leider mussten wir dann noch einen extrem steilen Berg hinauf, bis wir die Stadt und unser Hotel Hine Adon erreichten. Wir übernachteten für 60 CHF pro Person ohne Frühstück in Studios mit einer Küchenzeile. Das Hotel verfügte auch über eine Waschmaschine und eine Dachterrasse. Somit konnten wir unsere Wäsche lufttrocknen und auch abends noch auf der Dachterrasse zusammen sitzen.

Der fünfte Tag – Pause in Fribourg

Nach den drei Wandertagen tat der Ruhetag in Fribourg unglaublich gut. Zum Frühstücken schickte uns die Dame an der Rezeption in ein nahegelegenes Frühstückslokal mitten im Zentrum von Fribourg und ganz nah an unserem Hotel.
Wir besuchten an diesem Tag die eindrucksvolle Kathedrale St. Nikolaus in Fribourg. Eine Reisegruppe bemerkte, wie ich mir meinen Stempel für den Pilgerpass abholte und sogleich stand ich im Mittelpunkt der Gruppe und musste einige Fragen beantworten. Woher? Wohin? Wie lange? Was? Wirklich schon so lange? Unglaublich! Super! Respekt! Alles Gute weiterhin! Stolz zeigte ich meinen schon gut gefüllten Pilgerpass vor, der nun auch den Stempel der Kathedrale von Fribourg trug.

Im Stadtplan von Fribourg war ein Fuß-Rundweg eingezeichnet, für den wir uns entschieden. Das war nicht allzu anstrengend und wir bekamen tolle Plätze, Brunnen und Brücken von Fribourg zu sehen. Fribourg ist ja eine sehr bergige Stadt, was mich nicht gerade erfreute. Glücklicher Weise verfügt Fribourg über eine historische Standseilbahn aus dem Jahre 1899, die uns aus dem unteren Teil der Stadt wieder nach oben beförderte.

Am Abend bekam ich endlich mein seit Jahren ersehntes Schweizer Käsefondue mit Greyerzer Käse und Weißwein. Dank der Tripadvisor App fand ich schnell ein tolles Schweizer Restaurant mit sehr guten Bewertungen. Das Restaurant Gothard war ganz in der Nähe von unserem Hotel und auch in der Nähe der Kathedrale. In typisch schweizerisch-französischem Ambiente gab es hier eine tolle Auswahl an wirklich leckeren Speisen. Solltest Du nach Fribourg kommen, empfehle ich Dir dringend einen Besuch in diesem Restaurant.

Was es sonst noch zu sagen gibt

In Fribourg verstand man uns zum ersten Mal nicht mehr. Denn wir wechselten von der deutschsprachigen Schweiz in die französische Schweiz. Ich hätte mir den Unterschied nicht so krass vorgestellt, aber es war tatsächlich so, dass man hier überwiegend französisch sprach und wir uns oft nur mit Händen und Füßen verständigen konnten.

Unsere Erfahrung war, dass es in Ferienwohnungen immer Getränke zu kaufen gab. Man muss sich also nicht tagsüber Gedanken machen, noch kurz vor dem Ziel genug einzukaufen. In der Ferienwohnung sind die Preise zwar etwas teurer, als wenn man Getränke im Supermarkt kaufen würde, jedoch nicht so teuer wie im Restaurant. Wir haben diese Möglichkeit gern in Anspruch genommen.

Wenn wir in Hotels übernachteten, haben wir uns oft im Supermarkt Getränke für abends gekauft. Denn es läppert sich, wenn man für ein Bier im Restaurant 6 CHF oder mehr zahlen muss.

Bei unserer zweiten Übernachtung stellten wir fest, dass Fragen nichts kostet. Nämlich die Frage nach dem Abendessen in der Unterkunft. Ich empfehle Dir, eventuell schon vor der Anreise nachzufragen, ob es möglich wäre, ein Abendessen zu bekommen. Das ist meist deutlich günstiger als ein Restaurant und gerade wenn die Ferienwohnung mitten in der Prärie ist, eine gute Möglichkeit und absolut stressfrei. Ein Abendessen gehört nicht zum Standard einer Übernachtung eines B&B. Allerdings machte man für uns zweimal eine Ausnahme.

Meine diesjährige Reise beinhaltete ja 9 Wandertage. Über die ersten drei Tage habe ich in meinem heutigen Beitrag berichtet. Die Berichte über die nächsten Etappen folgen. In der Zwischenzeit kannst Du gerne die Berichte über meine vergangenen Etappen auf dem Schweizer Jakobsweg lesen. Dort gibt es auch viele Tipps zu lesen, die ich bereits bei meinen ersten Etappen zusammen getragen habe.

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Hier geht’s zurück zur vorherigen Etappe von Einsiedeln nach Interlaken

Solltest Du Dich trotz der sehr guten Beschilderung auf dem Schweizer Jakobsweg für einen Wanderführer interessieren, dann empfehle ich Dir folgende:

 

 

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