Jakobsweg Schweiz – Auf dem Pilgerweg von Rorschach nach Einsiedeln

Auf dem Schweizer Jakobsweg von Rorschach nach Genf in knapp 450 Kilometern

Die erste Wanderung auf dem Jakobsweg führte uns in 4 Tagen und 94 Kilometern von Rorschach nach Einsiedeln.

Warum entschied ich mich für eine Wanderung auf dem Jakobsweg?

Eigentlich kam die Entscheidung, auf dem Jakobsweg zu wandern aus einer Laune heraus. Irgendwie entstand dann aus anfänglichem Spaß, der ernsthafte Gedanke, mal ein paar Tage auf dem Jakobsweg zu pilgern. Gleich nach Spanien wollte ich nicht. Ich konnte mir schließlich nicht einfach einen ganzen Monat frei nehmen. In Deutschland wollte ich auch nicht pilgern. Also kamen wir irgendwann auf die Schweiz. Da war ich nämlich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie. Also gesagt, getan. Zwei Männer und zwei Frauen machten sich also 2014 auf den Weg.

Nichts geht über eine perfekte Planung

Wenn Du meinen Blog schon eine Weile verfolgst, weißt Du, wovon ich rede. Ohne die perfekte Planung geht bei mir selten was. Beim Pilgern auf dem Jakobsweg in der Schweiz rate ich Dir dringendst zu einer Planung. Natürlich hört sich pilgern auf dem Jakobsweg eher nach Spontanität an und man schaut halt, wie weit man im Verlauf eines Tages kommt und sucht dann spontan nach einer Übernachtung.

Tu’s nicht!!! Zum einen gibt es auf dem Jakobsweg nicht alle 5 Kilometer eine Übernachtungsmöglichkeit. Außerdem ist es zu Fuß ziemlich mühsam, spontan nach einer Unterkunft zu suchen. Was ist, wenn man abgewiesen wird? Dann muss man unter Umständen viele weitere Kilometer auf sich nehmen. Allerdings ist es vermutlich als Einzelperson leichter. Aber wir waren zu viert! Und wir wollten, wenn es irgendwie möglich war, zumindest in Doppelzimmern übernachten. Wir sind halt auch nicht mehr die Jüngsten.

Was Du auch bedenken solltest ist, dass die Preise in der Schweiz horrend hoch sind. Für eine Hotelübernachtung zahlst Du im Doppelzimmer pro Person locker 70 CHF. Und hier gibt es noch nicht mal ein WC im Zimmer. Für eine Übernachtung im Heu sind es auch gleich mal 40 CHF. Wenn Du also Geld sparen möchtest, empfehle ich Dir dringend, die Jakobsweg Route vorher zu planen und die Unterkünfte fest zu buchen. Manchmal stehen auch nur wenige Betten in einer Unterkunft zur Verfügung. Ich wollte das Risiko nicht eingehen, dass diese wohlmöglich belegt sind.

Unsere erste lange Jakobsweg Etappe führte von Rorschach am Bodensee bis nach Einsiedeln

Diese Route auf dem Jakobsweg umfasst ca. 94 Kilometer. Die Gehzeit wird mit knapp 27 Stunden geschätzt. Nachdem wir das erste Mal in unserem Leben so weit gewandert sind, haben wir zunächst klein angefangen und eine 4-Tages-Tour geplant. Mit dem Auto ging es von unserem Heimatort über München in Richtung Rorschach. Am Tag bevor es los ging, haben wir noch in Deutschland in einer Unterkunft übernachtet. Am nächsten Morgen war es nur ein Katzensprung über die Schweizer Grenze, bis wir in Rorschach, dem Startpunkt auf dem Schweizer Jakobsweg, ankamen. Wir parkten die nächsten Tage unser Auto auf einem öffentlichen, kostenpflichtigen Parkplatz in Rorschach. Vom Zielort Einsiedeln ging es dann einige Tage später zurück mit dem Zug nach Rorschach.

Bei der Planung hat mich diese Schweizer Internetseite unterstützt.

Tag 1: Jakobsweg Rorschach – Herisau – 25,0 km, 7:45 Stunden

Zunächst holten wir uns in der Touristeninformation kostenlose Pilgerausweise, um unsere Stempel in den nächsten Tagen auf unserer Jakobsweg Tour dort eintragen zu können.

Los ging unsere Wanderung auf dem Jakobsweg am Jakobsbrunnen in Rorschach.

Ich empfehle Euch, dass Ihr Euch in Rorschach zügig auf den Weg macht. Wir haben uns nämlich ziemlich lang mit Fotografieren und genießen der schönen Landschaft aufgehalten, so dass wir erst spät am Abend in unserer ersten Unterkunft ankamen. Dummerweise hatten wir die Schweizer Berge auf dem Jakobsweg irgendwie unterschätzt. Der erste Tag war richtig hart. Wir hatten einfach nicht damit gerechnet, dass es in der Schweiz Berge zu umwandern gibt. Wirklich dumm von uns, aber aus Fehlern lernt man bekanntlich. Da mussten wir durch. Die Natur auf dem Jakobsweg entschädigte uns schon am ersten Tag für unsere Mühen. An jedem einzelnen Tag war die Landschaft anders und besonders.

Kleiner Tipp am Rande: Ich empfehle Euch, auf keinen Fall selbst gewählte Abkürzungen auf dem Jakobsweg zu nehmen. Das haben wir nämlich am ersten Tag gemacht. Da sah der Weg kürzer aus und das Ende vom Lied war, dass wir einen extrem steilen Berg hinauf mussten, der uns unsere letzten Kräfte raubte. Die gesparten Kilometer brachten uns somit gar nichts.

Aus dem Unterkunftsverzeichnis aus oben genannter Internetseite suchten wir uns eine Privatunterkunft direkt am Jakobsweg heraus. Frau Müller war eine entzückende, sehr freundliche Dame. Zwei von uns schliefen in einem separaten Schlafzimmer und die anderen beiden auf einem bequemen, aufgeklappten Bett in ihrem Büro. Den Abend genossen wir mit einem kühlen Bier auf dem Balkon. Das Badezimmer teilten wir uns mit Frau Müller. Sie war sehr zuvorkommend und bereitete uns am nächsten Morgen ein leckeres Frühstück zu.

Diese Übernachtung kostete uns pro Person incl. Frühstück 50 CHF. Ihr seht schon, ziemlich happige Preise trotz Privatunterkunft, wobei das noch eine der günstigen Unterkünfte war, wenn man unsere gesamten Unterkünfte auf dem Schweizer Jakobsweg vergleicht! Solltet Ihr also auf der Suche nach einer Unterkunft in Herisau sein, kann ich Euch Frau Müller wirklich empfehlen. Und es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert, mal in einem Privathaushalt zu übernachten.

Tag 2: Jakobsweg Herisau – Wattwil – 24,5 km, 7 Stunden

Am zweiten Tag marschierten wir tapfer auf dem Jakobsweg weiter. Die Landschaft war wieder ganz anders als am ersten Tag und absolut schön. Auch heute machten wir den Fehler und dachten zum Ende, eine kleine Abkürzung nehmen zu müssen. Diese „Abkürzung“ führte uns durch nicht enden wollende Serpentinen. Also auch hier wieder die dringende Empfehlung: Bleibt auf dem Jakobsweg!

Übernachtet haben wir in der Fazenda, einem alten Kloster, in dem Menschen für eine gewisse Zeit zusammen leben. Es gibt welche, die leben komplett dort und solche, die nur tagsüber zum Arbeiten oder zum Gottesdienst kommen. Wir wurden herzlich aufgenommen und aßen mit den Menschen, die dort lebten, aber auch mit Frauen, die nur eine Woche dort zum Arbeiten verbrachten. Am nächsten Morgen nahmen wir am Gottesdienst und am gemeinsamen Frühstück teil. Der Besuch in der Fazenda war ein ganz besonderes Erlebnis, welches wir auf keinen Fall missen möchten. Der Preis war unschlagbar. Wir zahlten nur 30 CHF für die Übernachtung mit Abendessen und Frühstück. Das Frühstück war zwar um 6:30 Uhr. Aber einmal geht’s schon, so ein Tag im Kloster!

Tag 3: Jakobsweg Wattwil –Rapperswil – 28 km, 7,5 Stunden

An Tag 3 hatten wir einen Ausfall. Einer unserer Mitpilger konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mitgehen. Glücklicher Weise gibt es überall gute Zugverbindungen am Jakobsweg, so dass es kein Problem ist, wenn jemand mal einen Tag Pause braucht. Tag 3 war ziemlich anstrengend. Irgendwie wollte die Strecke nicht enden. Die Landschaft war trotzdem wieder wunderschön. Wir übernachteten in der Jugendherberge in Jona-Rapperswil. Sie lag im Stadtteil „Jona“ und somit etwas außerhalb. Hier muss man sich wirklich überlegen, ob es wert ist, den Umweg auf sich zu nehmen. Die Jugendherberge war sehr gepflegt und die Zimmer mit Stockbetten wirklich sehr sauber und schön. Wir buchten zwei Doppelzimmer mit Stockbetten und bezahlten 52 CHF pro Person incl. Frühstück. Ich kann diese Jugendherberge absolut empfehlen, auch das Frühstück mit Schweizer Käse war super.

Allerdings muss man abends mit dem Taxi in die Stadt fahren, weil es zu Fuß zu weit ist. Und die Stadt muss man wirklich gesehen haben. Rapperswil ist ein bezaubernder Ort am Zürichsee. Wir hatten das große Glück, dass genau an dem Tag, als wir in Rapperswil waren, das große Hafenfest stattfand. Viele Menschen in alten Gewändern tummelten sich auf dem Dorfplatz und alte Dampfer fuhren auf dem See. Glücklicher Weise war es ein warmer Tag, so dass wir abends draußen essen konnten.

Tag 4: Rapperswil – Einsiedeln 16,5 km, 4,5 Stunden

Die letzte Etappe war Gott sei Dank nicht mehr allzu weit. Nachdem wir die Tage zuvor schon deutlich länger auf dem Jakobsweg gegangen sind, war die heutige Etappe ein Klacks. In nur 4,5 Stunden erreichten wir Einsiedeln mit seinem imposanten Kloster. Wir übernachteten mitten im Zentrum im Gasthaus Meinradsberg. Das Gasthaus verfügt nur über 2 Doppelzimmer. Die einen von uns zahlten 65,00 CHF pro Person incl. Frühstück und hatten eine Dusche und WC im Zimmer. Die anderen beiden zahlten 52,50 CHF und hatten die Dusche und das WC auf dem Gang.. Das war aber kein Problem, da der Gasthof nur noch über ein weiteres Einzelzimmer verfügte, welches nicht belegt war. Somit hatten wir die Dusche und das WC für uns.

Das Ziel unserer ersten Jakobsweg Reise war geschafft! Von Einsiedeln fuhren wir am nächsten Tag wieder mit dem Zug nach Hause.

Sonstige Informationen über den Jakobsweg zwischen Rorschach und Einsiedeln

Dass wir bei unserer ersten Reise nur 4 Tage auf dem Jakobsweg wählten, fanden wir goldrichtig. Wenn man noch nie gepilgert ist, sollte man sich am Anfang nicht übernehmen.

Die Schweizer Berge sind nicht zu unterschätzen. Die Kilometer auf dem Jakobsweg können durchaus ein wenig mehr als im Reiseführer werden. Keine Ahnung, woran das liegt. Auch von der Zeit her, kann es auch durchaus mal etwas länger dauern. Man sollte auch bedenken, dass man immer wieder mal kleine oder größere Pausen einlegt. Somit kommt man fast immer erst am Abend am Zielort an.

Welches Schuhwerk?

Meine Mitpilger trugen meistens Wanderschuhe und bekamen unzählige Blasen. Ich habe gar keine Wanderschuhe und musste mir mit Treckingschuhen behelfen. Zusätzlich hatte ich noch meine bequemen, superleichten Laufschuhe dabei. Ich wechselte immer wieder zwischen Treckingschuhen und Laufschuhen und hatte am Ende am Wenigsten Blasen von allen. Das heißt, ich hatte eigentlich gar keine. Nur so einen klitzekleinen Ansatz eines Bläschens. Zusätzlich hab ich mir bei Aldi im Vorfeld zu güstigem Preis Blasenpflaster gekauft, die es im Frühjahr immer dort gibt. Die habe ich mir dann täglich vorsorglich auf die Fersen und einen empfindlichen Zeh geklebt. Auch wenn die Blasenpflaster sich im Laufe des Tages vom Schwitzen lösen, so geben sie doch einen gewissen Schutz.

Braucht man einen Jakobsweg Reiseführer?

Auf dieser Route auf dem Jakobsweg benötigt man definitiv keinen Reiseführer. Die gelben Schilder sind an jeder noch so kleinen Abzweigung zu finden und es gibt gar keine Möglichkeit, irgendwo falsch abzubiegen. Ich habe niemals zuvor so gute Beschilderungen gefunden. Wenn Du dich allerdings für einen Reiseführer interessierst, gebe ich Dir unten stehende Empfehlungen. Vielleicht hast Du ja Lust, im Vorfeld ein wenig zu schmökern und manche Infos nachzulesen.

 

Wo gibt es die Pilgerstempel?

Wir haben unseren Pilgerausweis in vielen Kapellen und Kirchen, an denen wir unterwegs auf dem Jakobswegvorbei kamen, mit Stempeln gefüllt. Es gibt sie auch in Pfarrämtern, Touristeninformationen und in den Unterkünften und teilweise sogar Gasthäusern. Wir waren überrascht, wo wir überall Stempel sammeln konnten.

Nur mit dem Rucksack unterwegs auf dem Jakobsweg?

Ich liebe schon auch den Schicki-Micki-All-Inclusive-Urlaub aber ich hatte auch echt Lust auf die Herausforderung Jakobsweg. Je nachdem wie viel man mitnehmen möchte, so groß muss auch der Rucksack ausfallen. Aber bedenke, dass Du das ganze Gepäck auch einige Tage tragen musst. Ich als Frau komme mit einem Rucksack mit 34 Litern Fassungsvermögen aus. Trotzdem muss man sich natürlich etwas einschränken.

Was darf mit auf den Jakobsweg?

Ich hatte in diesen vier Tagen nur eine Treckinghose, eine Jeans für abends, 2 Funktionsshirts, ein wärmeres Funktionsoberteil, ein Oberteil für abends, Regenjacke, Regenhose, Unterwäsche, Socken und eine Windjacke dabei. Wir hatten aber das große Glück, Ende Mai gutes Wetter zu haben, so dass das Trocknen der am Vorabend gewaschenen Kleider kein Problem war. Bei einer längeren Route würde ich allerdings ein paar mehr Kleider mitnehmen, sofern sie in den Rucksack passen. Zusätzlich braucht man ja noch die Treckingschuhe, Turnschuhe und ein Paar leichte Badeschuhe, um die Füße abends auch mal auszulüften oder sich in den Unterkünften zu bewegen. Man will ja nachts schließlich nicht die Treckingschuhe über ziehen, wenn man mal auf’s Klo muss. Medikamente und Pflaster solltest Du auch mit dabei haben. Manchmal reibt man sich auch irgendwo durch das Gehen wund. Von daher schadet hier eine entsprechende Salbe, wie z. B. Multilind auch nicht. Vergiss auch eine Kopfbedeckung für die Sonne nicht, Sonnencreme und natürlich sonstige Toilettenartikel, die Du täglich benutzen möchtest. Die können bei „Frau“ ganz schon viel Platz einnehmen. Auf der ersten Wanderung auf dem Jakobsweg hatte ich tatsächlich noch einen Föhn mit dabei, den „Mann“ für mich getragen hat 🙂

Sind Wanderstöcke empfehlenswert?

Um die Berge auf dem Jakobsweg leichter zu bezwingen, aber auch beim Bergab gehen, empfehlen sich Nordic Walking Stöcke. Die waren wirklich während der gesamten Jakobsweg Tour ein toller Begleiter. Nordic Walking Stöcke haben den Vorteil gegenüber Wanderstöcken, dass man sie auch auf Teerstraßen gut nutzen kann, da man hier einen Gummi auf die Spitzen aufstecken kann. Im Vorfeld des Jakobsweges habe ich ein paar Testwanderungen durchgeführt und musste feststellen, dass mir da oft die Hände eingeschlafen sind. Das ist mir mit Nordic Walking Stöcken nicht mehr passiert.

Ich hoffe, ich konnte Dir mit meinem Bericht den Jakobsweg schmackhaft machen. Hier kannst Du einen weiteren Bericht über unsere zweite Etappe von Einsiedeln nach Interlaken nachlesen. Und im Juni werden wir die letzte Schweizer Etappe auf dem Jakobsweg von Interlaken nach Genf gehen. Hier werden wir zum ersten Mal 2 Wochen unterwegs sein. Du kannst Dich auch hier auf einen ausführlichen Bericht freuen.

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3 Gedanken zu „Jakobsweg Schweiz – Auf dem Pilgerweg von Rorschach nach Einsiedeln

  1. Ein Tipp für den ersten Tag, damit er nicht überfordert:
    ab Rorschach nur bis St.Gallen gehen reicht meist grad, um nicht zu müde zu werden. Die Etappe bis Herisau eignet sich nur für Leute, die bereits einige Tage unterwegs waren.
    Weiterer Vorteil:
    in St.Gallen gibt es eine heimelige Pilgerherberge. Die Übernachtung kostet dort 15 Euros. Siehe: http://www.pilgerherberge-sg.ch

    1. Dieser Tipp ist auf jeden Fall Gold Wert, vielen Dank 👍😀 Ich erinnere mich noch gut an unseren ersten Tag. Als wir in St. Gallen ankamen, waren wir bereits völlig erledigt und mussten am späten Nachmittag noch nach Herisau weiter. Wir hatten die Schweizer Berge einfach unterschätzt und uns war einfach nicht bewusst, was da vor uns liegt.

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